Und auf ging es in das zweite Fasnachtswochenende. Nach der Fasnachtseröffnung in Gossau, wo „Alles Anderscht“ war, wagten wir uns an diesem Wochenende in neue Gefilde. Der Umzug in Rheineck stand an, ein Umzug, der für viele Mitglieder und Mitgliederinnen – wir wollen hier auch auf das Gendern achten – neu war. So versammelten wir uns gewohnt kurz nach 11 Uhr bei unserer so liebgewonnenen Scheune.
Obwohl das Wetter noch etwas garstig und kalt wirkte, half dies so manchem Gnömli, die Betriebstemperatur allmählich hochzufahren. Dies war auch wahrlich vonnöten, da während der Ansprache unseres Umzugschefs es zu Verwechslungen zwischen Schule, Schwimmbad und „Wo parken wir?“ kam. Nichts desto trotz wurde uns rasch klar, dass wir nach Rheineck fahren sollten, wir Käfig, Taxi, Konfetti und Sugus brauchten und dies zügig verladen hatten. Naja, dies taten wir dann auch, während ein spontaner Schneefall einsetzte, der so manchem nicht gerade zusagte. Daher stiegen wir zügig in die Autos und nahmen die Fahrt nach Rheineck unter die Räder.
In Rheineck angekommen, schien sich Petrus allmählich mit den Gnomen zu versöhnen. Zwar wirkte das Wetter jetzt noch etwas verhangen, doch die Temperaturen und der ausbleibende, quere Schneefall waren nicht mehr präsent. Auf einem Parkplatz, nicht unweit der Umzugsstrecke, ging schliesslich das grosse Umziehen los. Erneut zeigte sich hier, dass die Fasnachtssaison noch nicht wirklich angelaufen war und dies erst unser zweiter Umzug war. So wirkten die Griffe bei gewissen Gnömli doch sehr beschwerlich und wiesen vereinzelte grosse Fragezeichen auf.
Ebenfalls lenkte ein erfahrener Gnom einen ungewöhnlichen Panettonelieferanten ab, der beinahe aufdringlich seine Ware an die Gnömli bringen wollte. Ja, als Zuschauer hätte man beinahe denken können, hier beginnt das närrische Treiben bereits lange vor dem Umzug. Als schliesslich jede Fellstulpe an ihrem Platz war, alle Umhänge passend und anliegend sassen und die Stricke sauber und korrekt gebunden waren – was einige Zeit in Anspruch nahm – suchten wir unsere Startnummer. Diese fanden wir dann auch in einer kleinen Zwischenstrasse, deren Name wir etwas speziell fanden und die wir an dieser Stelle nicht erwähnen möchten. Hier bezogen wir Stellung und warteten auf den Startschuss.
Schnell wurde uns erfahrenen Umzüglern und Umzüglerinnen klar, dass dieser Umzug gross werden würde. Riesige Umzugswagen, gezogen von (Zitat eines Gnoms) „sehr männlichen Traktoren“, säumten die Startaufstellung. Schnell war bemerkbar, dass sich hier nicht nur Gruppen aus der Region, sondern auch aus dem nahen Ausland einfanden, da plötzlich neben uns in einwandfreiem Hochdeutsch gesprochen wurde.
So warteten wir gespannt auf den Beginn des Umzugs, während wir nebenbei wohl zu den besten Kunden des nahegelegenen Verpflegungsstands wurden. Wir frönten einigen guten und gemeinschaftlichen Minuten, bevor wir kurz nach halb zwei mit der frühen Nummer 11 starten durften. Wie bereits erwähnt, starteten wir gut gelaunt und bestens ausgerüstet in diesen Umzug.
Erwies er sich zu Beginn noch etwas löchrig, ähnlich einem Emmentaler, vermochte er sich gegen Ende wahrlich zu schliessen und kam einem gut gereiften Gruyère gleich. So fanden wir uns in der Altstadt, umgeben von Publikum am Strassenrand, und die fasnächtliche Arbeit ging uns nicht aus. Fleissig wurde Kundschaft für das Gnomentaxi gesucht, welches wiederum viele junge Fasnachtsbegeisterte von sich aus selbst anzog. Jaja, es fand sich diverse Kundschaft, die gar freiwillig für einen wilden Ritt auf diesem Gefährt zu überzeugen war.
Auch der mitgebrachte Käfig erfreute das Publikum, und manch eine Drehung wurde an diesem Sonntag vollzogen – natürlich auf den hart arbeitenden Buckeln unserer beiden wackeren Schieber und Dreher, denen das frühe Verhalten einige Schweissperlen unter die Maske trieb. Daneben wurde fleissig der Gnomenschnaps unter die durstige Bevölkerung gebracht, und der junge, zahlreiche Nachtrab versorgte seine Gleichgesinnten mit den mitgebrachten Sugus.
So war es einmal nicht verwunderlich, dass wir im Verlauf der Umzugsstrecke uns gut verteilten, was Anfang und Ende kaum überblicken liess. Rückblickend darf erwähnt werden, dass wir uns ganz gut geschlagen haben, was besonders die verschwitzten Gesichter am Umzugsende zeigten. So wurden wir gar darauf hingewiesen, doch bitte die Maske wieder anzuziehen, da wir so schöner und weitaus hübscher aussehen würden als ohne Maske.
Ein kurzer schwerer Schlag, welcher jedoch gekonnt weggesteckt wurde, zumal der Umzugschef zum obligaten „Wienerli danach“ aufrief, welches herzlich willkommen war. Etwas dehydriert und ausgehungert – der Panettone war doch nicht so sättigend – nahmen wir diese Geste der Veranstalter dankend an. Überraschend durften wir an diesem Sonntag einen wärmenden Kessel von Wienerli vorfinden. Ein geradezu beachtlicher Kessel, der genauso viele Geschichten erzählen könnte wie die Gassen von Rheineck.
Wohl gesättigt zogen wir uns an die mittlerweile sonnigen Plätze am Ende des Umzuges zurück. Hier wurden die restlichen Umzugsteilnehmer bestaunt. Wir haben ja schon vieles gesehen, doch dieses Jahr, so scheint es, war besonders im unteren Rheintal Rauch in allen Formen, Farben und Arten sehr akkurat. Was wir dort einnebelten, da könnten sich die Fans des FC St. Gallen eine ordentliche Scheibe abschneiden. Wobei, letztere schlossen den Sonntag nicht überragend erfolgreich ab.
So verblieben wir noch einige Stunden gemeinsam bei berauschenden Guggenmusikklängen. Beim Eindunkeln des Abends war dann schliesslich für alle Schluss. Zufrieden und mit einem fasnächtlich hüpfenden Herzen traten wir den Heimweg an. Vielen Dank, Rheineck.
Rhynegg es chlises Städtli am Bodesee,
schön hend mir als Gnome euch au mol noh gseh.
Ah de Fasnacht bisch du voll parat,
und mit eme flotte Umzug am Start.
Grossi Wääge und ganz viel Gugge,
lönd d' Lüüt am Strosserand zemerugge.
Das isch würklich en tolle Sunntig gsi,
mir wered ganz gern wieder Mol debi.
weiter Impressionen findest du hier